Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen e.V.  

Was sind Fayencen? 

Technik

Fayence ist französisch und von der italienischen Stadt Faenza abgeleitet. Es beschreibt ein tonkeramisches Erzeugnis, dessen poröser roter oder ockerfarbener Scherben mit einer farbigen oder weißdeckenden Zinnglasur überzogen ist. Die Stücke werden nach dem Modellieren getrocknet, dann bei etwa 900 Grad gebrannt und nach dem Erkalten in ein Glasurbad aus Sand, Pottasche, Blei, Zinn und Wasser getaucht. Dieses Gemisch bleibt als Überzug auf der Oberfläche des Scherben haften und wird nach einer anschließenden Bemalung direkt auf der noch ungebrannten Glasur nocheinmal bei über 1100 Grad aufgeschmolzen. 

Angemalt wird der Glasurbrand entweder mit Scharffeuerfarben (wegen der hohen Temperatur beschränkt auf Blau, Mangan, Gelb, Grün, Rot, Braun und Schwarz) oder mit Muffelfarben (Metalloxide vermischt mit feingepulvertem, stark blei- und borsäurehaltigem Glas). Letztere müssen in einem dritten Brand bei 600 bis 800 Grad haltbar gemacht werden.

Geschichte

Tonwaren mit gefärbten Blei- oder Zinnglasuren sind bereits im 4. Jahrtausend vor Christus in Ägypten hergestellt worden, auch in Griechenland beherrschte man die Technik. „Echte Fayencen" entstanden jedoch erst im 9. Jahrhundert v. Chr. in Mesopotamien, d.h. im irakischen Gebiet des Perserreichs. Die Araber brachten die Fayence nach Spanien, von dort eroberte sie Italien. Das ging verstärkt von Mallorca aus, deshalb heißen Fayencen von der spanischen Insel auch Majolika

Im 16. Jahrhundert begann von Faenza aus, einem kleinen Ort südlich von Florenz, ein stilistischer Umschwung von den flächenfüllenden Majolikadekoren hin zu weißen, sparsam bemalten Keramiken, mit denen das von Marco Polo aus China mitgebrachte, heißbegehrte „weiße Gold", das erst ab 1708 auch in Europa produzierbare Porzellan, imitiert werden sollte. 

Im 17. und 18. Jahrhundert breitete sich diese Technik von Italien über Frankreich, die Schweiz und Holland nach ganz Europa aus, wo das Erzeugnis, das nun nördlich der Alpen entstand, nach seinem Herkunftsort „Fayence" genannt wurde und einen für breite Bevölkerungsschichten erschwinglichen Ersatz für das Luxusgut Porzellan darstellte. Viele Fayence-Manufakturen nannten sich übrigens selbst - aus durchsichtigen Gründen - „Porzellan Fabrik", so auch unsere in Wrisbergholzen. 

In den Niederlanden, wo seit etwa 1600 Porzellan aus China importiert wurde und ungeheuer begehrt war, wurde die Imitationstechnik weiter verfeinert. Von Delft aus („Delftsch Porcelein") wurden seit 1660 auch in Deutschland die ersten Fayence Fabriken gegründet. 

Ab etwa 1800 ist die Fayence durch das englische Steingut und das allmählich besser produzierbare Porzellan verdrängt worden. Die Produktion in Wrisbergholzen begann 1736 und dauerte mit fast 100 Jahren ungewöhnlich lange bis zum Jahr 1834. 
 

Link :
A more detailed description by John McGregor - although titled "Very Concise History Of Faience" - and a listing of German faience factories you can find here as part of "The Beer Stein Site"

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