Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen e.V.

Gemeinnütziger Verein mit Sitz in der einzigen in Norddeutschland als Bauwerk erhaltenen, ehemaligen Fayencen-Manufaktur in Westfeld-Wrisbergholzen (zwischen Hildesheim und Alfeld im Harzvorland)
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Chronik
über Entwicklung und Tätigkeiten des Vereins in den ersten 20 Jahren

Übersicht:

1984: Gründung und Beginn der Renovierung im Inneren der Manufaktur
1986: Renovierung der Fachwerkfassade und erste neue Fenster
1987: Erstes IJGD-Projekt mit deutschen und italienischen Jugendlichen in der Manufaktur
1989: Zweites IJGD-Projekt mit deutschen Jugendlichen und polnischen Bauing.-Studenten; 
          Beginn von Ausgrabungen im alten Brennraum als Architektur-Studienseminar der Uni Hannover
1990: Drittes IJGD-Projekt, als deutsch(west)-deutsch(ost)-polnisches Projekt, Fortführung der Ausgrabungen
1992: Viertes IJGD-Projekt, diesmal nur mit polnischen Bauing.Studenten
1993: Einrichtung unseres "kleinen Museums" in der Manufaktur und 
          Exkursion des Kestner-Museums Hannover im Rahmen der Sonderausstellung "Niedersächsische Fayencen"
1994: Wechsel im Vereinsvorsitz, Beginn des Sparens für ein neues Dach
1995: Erste Beteiligung am "Tag des offenen Denkmals" im September mit ca. 150 Besuchern;
          Schadensbestandsaufnahme und Sanierungsvorschläge für Tee-Tempel als Diplomarbeit eines Studenten aus Köln
1996: Erstes vereinsinternes "Pfingst-Workcamp" mit diversen Renovierungsarbeiten an der Manufaktur; 
          Angebot regelmäßiger öffentlicher Führungen inkl. Fliesenzimmer; Tag des offenen Denkmals mit mehr als 1200 (!) Besuchern
1998: Erstes Großprojekt des Vereins mit Spenden und Zuschüssen durchgeführt: die Manufaktur erhält ein neues Dach
1999: Der Schlosspark rückt verstärkt ins Vereins-Aktivitätenprogramm durch zwei dort schon seit 1993 besonders engagierte Mitglieder
2001: Zweites Großprojekt des Vereins mit Spenden und Zuschüssen begonnen: Renovierung des Tee-Tempels im Schlosspark
2002: Abschluss des Tee-Tempel-Projektes, erstes Sommerfest im Schlosspark mit einem Kulturprogramm
2003: Kultur in der Manufaktur: "Frühlingsstimmen" an vier Abenden im Mai
 

1983

Der Gründer und erste Vorstand des Vereins, Ulrich Pagels (Olli), hatte in seinem Hauptberuf als Konservator mit dem Grafen Goertz von Wrisbergholzen zu tun in Sachen Denkmalpflege und Beratung bei Arbeiten am Schloß in Wrisbergholzen.

Bei dieser Gelegenheit entdeckte er die alte Fayence-Manufaktur, und es entstand die Idee zur Gründung eines Vereins, um dieses vom Verfall bedrohte Baudenkmal zu erhalten. Der Graf, der nicht über die Mittel verfügte, die die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen erfordert hätten, bot ihm die Manufaktur gegen ein geringes Entgelt zur Pacht an mit der Auflage, für die Erhaltung derselben zu sorgen. Im November 1983 fanden erste Verhandlungen über einen Pachtvertrag statt. 


1984

Am 11. Februar 1984 war die Gründungsversammlung des "Vereins zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen e.V.". Zwei der damals acht Mitglieder der Gründungsversammlung sind auch heute noch aktiv im Verein tätig. 

    Bei den ursprünglich aus dem Freundes- und Bekanntenkreis des Gründers rekrutierten Mitgliedern handelte es sich in den ersten Jahren überwiegend um junge Familien mit Kindern aus der Großstadt Hannover, die hier eine Möglichkeit sahen, eine sinnvolle und schöne Tätigkeit in der Gemeinschaft mit einem Wochenend- und Urlaubsziel "auf dem Lande" für die Familien zu verbinden. Mehrere Mitglieder sind hauptberuflich in der Denkmalpflege oder z.B. als Architekten tätig und bringen so ihr Fachwissen mit ein. Im Laufe der Jahre hat sich die Struktur ein wenig gewandelt, zumal die Kinder inzwischen groß geworden sind und so andere Interessen in den Vordergrund treten. 
Die Manufaktur befand sich zu diesem Zeitpunkt in folgendem 
Zustand (sh. auch Rekonstruktion Grundriß):
    Die Wohnung unten rechts war als einzige der nach dem Krieg in der Manufaktur eingerichteten vier Flüchtlingswohnungen noch zeitweise bewohnt. 
    Der ehemalige Brennraum war durch Lattenzäune in Parzellen unterteilt, in denen verschiedene Dinge wie Holz, Kohle, Gerümpel gelagert war. Außerdem befand sich darin ein nachträglich eingebautes Badezimmer in primitivstem Zustand: kaltes Wasser, Ofen, Zinkwanne. Die große Diele war zum Teil mit Linoleum ausgelegt, der Dachboden voller Gerümpel, ebenso der Keller - stellenweise bis Hüfthöhe verschlammt. Hundekot überall. 
    Auf der Rückseite des Hauses befand sich eine nachträglich angebaute Garage in Selbst-Einfachbauweise. Ein baufälliger Stall - offenbar noch aus den Ursprüngen der Anlage - schloß sich an die linke Gebäudehälfte hinten direkt an das Gebäude an. Auch im Garten hinter dem Haus hatte sich im Laufe der Jahre Sperrmüll angesammelt. Ebenso war der alte Stall bis unter das Dach mit Sperrmüll angefüllt. 

    Die oberen Räume waren fast alle tapeziert, meistens mit mehreren Lagen dünnster Tapeten, manchmal bis zu 10 Lagen, teilweise auch mit Zeitungen als Makulatur. Zwei Schornsteinköpfe waren stark reparaturbedürftig, ein Schornstein schief. Das Dach war zuletzt 1979 notdürftig repariert worden. Verschiedene Wassereinbrüche hatten bereits Spuren hinterlassen. Elektro- und Sanitäranlagen waren auf primitivstem Stand, nur noch partiell funktionsfähig und gänzlich erneuerungsbedürftig, die meisten der alten Holzfenster waren zwar noch verglast, jedoch die Rahmen weitgehend verwittert, teilweise verfault. 

Erste Aktivitäten:
    Niederreißen eines alten Zauns, Entrümpelung des Grundstücks; Ziehen eines neuen Zauns. Zeitdauer ca. 2 Wochenenden. 

    Danach machten wir uns an die Gestaltung bzw. Renovierung zunächst einiger Räume im Obergeschoß, d.h. Herstellung des ursprünglichen Zustands, indem wir vorsichtig die verschiedenen Lagen dünner Tapeten entfernten. Es kam der alte Lehmverputz, vermutlich noch von 1736, zum Vorschein, der sehr schön glatt in der Oberfläche war. Wir verputzten die Löcher mit Moltofill und strichen die Wände mit "Bioweiß". Fenster, Türen und Fußleisten wurden mit Lackfarben weiß, grau und blau gestrichen. 


1985 
    Einbau eines neuen Elt-Verteilers im Obergeschoß und Verlegung von neuen Elektrokabeln. Eintritt weiterer Mitglieder in den Verein. Damit wurden weitere der oberen Zimmer renoviert. Eine Küche und Gemeinschaftsräume wurden im Erdgeschoß provisorisch eingerichtet.

    In einem der oberen Wohnräume wurde unter einem mit Gips flächig verklebten Linolium/ Weichfaser-Boden der alte Holzfußboden mit ca. 40 cm breiten Dielen freigelegt, mit viel Mühe (da - wie auf nebenstehendem Bild gut zu erkennen - sehr uneben und mit geschmiedeten Nägeln befestigt) abgeschliffen und schließlich versiegelt. 

    Nach und nach wurden auch diverse der maroden Fenster saniert - dabei wurden die Flügel z. T. gänzlich auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt, stellenweise mit manuell gefertigten neuen Holzteilen versehen, neu verglast und gestrichen. Ein Teil der Fenster war jedoch beim besten Willen nicht mehr reparaturfähig. Daher wurden neue Fenster für den Einbau im Folgejahr in Auftrag gegeben.


1986 
    Die Haupttätigkeit dieses Jahres bestand in der Renovierung der zur Straße gelegenen Fachwerkfassade. Der Verein verfügte über ein leihweise überlassenes Stahlgerüst, das jeweils nur für ca. 5m Einrüstung ausreichte und somit ständig auf- und wieder abgebaut werden mußte. Sukzessive wurde so in mehreren Arbeitsgängen zunächst der alte Putz aus den Fächern geschlagen, dann die Fächer durch einen Maurer fachmännisch neu verputzt und durch die Vereinsmitglieder anschließend mit Mineralfarbe gestrichen. Im letzten Arbeitsgang wurden die Holzbalken dann mit einer dunklen Acryl-Holzschutzfarbe gestrichen. Es verblieb jedoch noch die Fassade auf der rechten Hausseite zu renovieren.

    In der vorderen Fassade wurde auch ein Teil der notwendigen neuen Fenster eingesetzt, die von einer Hamburger Tischlerei nach den alten Vorbildern gebaut worden waren. Auch diese Fenster wurden noch mit einem Anstrich versehen.
    Für die Finanzierung der Fenster und der erforderlichen Fachhandwerkerarbeiten - u.a. auch der Abbruch eines baufälligen Schornsteins - hatten wir einen Landeszuschuß beantragt und bewilligt bekommen.

    Einbau eines Badezimmers mit Toilette, Warmwasserboiler und Duschkabine im Obergeschoß inkl. Verlegen der nötigen Wasser- und Abwasserleitungen. Die alte Decke des zum Garten gelegenen Raumes war durch einen Wasserschaden im vergangenen Winter stark einsturzgefährdet (die Wellerhölzer waren marode). Der Fußboden mußte daher vollständig entfernt und durch einen neuen Dielenboden ersetzt werden.

    Bei der Renovierung eines weiteren Zimmers im Obergeschoß wurde das erste Mal ein Anstrich mit reiner Kalkfarbe getestet und für gut befunden. Von diesem Zeitpunkt an wurde fast nur noch mit Kalk gestrichen.

    All diesen Maßnahmen ging die Entrümpelung der ehemaligen Mietwohnung voraus, das hieß, mehrere Lagen Linoleumboden entfernen, die Fußböden von zahllosen Nägeln befreien, die Linoleumlagen waren z.T. fetzchenweise auf den alten Holzfußboden genagelt, und jede Menge stinkiger Hundehaare entfernen. In den Jahren 85 und 86 wurden zudem die Holzverschläge im Brennraum aufgelöst, herausgebrochen, zu Feuerholz verarbeitet und das Gerümpel beseitigt. 


1987 
    Im Juli 1987 fand ein erstes internationales IJGD-Jugendarbeitscamp in der Manufaktur statt (IJGD = Internationaler Jugendgemeinschaftsdienst). Eine 21köpfige deutsch-italienische Gruppe arbeitete 14 Tage lang unter fachkundiger Anleitung und Betreuung durch einige Vereinsmitglieder und drei IJGD-MitarbeiterInnen in der Manufaktur. 

    Die erste Arbeitsmaßnahme bestand darin, den Dachboden zu entrümpeln. Da wir keine Container finanzieren konnten, wurden der gesamte Bauschutt und sonstiges Gerümpel zunächst in dem Garagenanbau hinter dem Haus untergebracht. Eine Gruppe übernahm dann die Restaurierung der rechten Hausseite - Streichen der Wände, Balken und Instandsetzung und Streichen der Fenster. Eine weitere Gruppe übernahm den Abbruch der Wände in der jetzigen großen Küche auf der Nordostseite. Gleichzeitig mußten Stützen und Träger eingesetzt werden. Der Bauschutt landete in der Garage, zum Teil wurde damit auch die jetzige Terrasse angehäuft. Im weiteren Verlauf der Restaurierungsarbeiten wurde der Keller entsumpft, wir standen zeitweise knietief im Schlamm, schöpften und schaufelten diesen in Eimer, die Eimer wurden durch das Kellerfenster nach draußen gereicht, dort auf eine Schubkarre gekippt und in die alte Garage oder auf einen Komposthaufen gekippt. 

    Nach der Entsumpfung und dem Säubern von dabei am Boden entdeckten Wasser- Durchflußrinnen in dem früher als Tonlager genutzten Gewölbekeller fand noch der aufwendige Transport einer großen Kochmaschine aus den Wirtschaftsgebäuden des Schlosses zur Manufaktur statt. 

    Nachdem der große Küchenraum im Rohbau hergestellt war, konnten die Wände, Fenster und Türen in Angriff genommen werden, und eine Malerkolonne machte sich an die Arbeit, die Wände ein erstes Mal zu weißen, mehr war in der Zeit nicht zu schaffen, und Fenster und Türen zu streichen, auch die große Eingangstür wurde von innen und außen gestrichen. (Letzteres haben wir später, da die Farbe dann häßlich abblätterte, bereut und 1996 mit viel Aufwand wieder rückgängig gemacht).

    Das Team fuhr nach dem Projekt bei uns noch für 14 Tage nach Italien und machte dort Ausgrabungsarbeiten. Zum Abschluß unseres Projektteils in Wrisbergholzen, der natürlich nicht nur aus Arbeit bestand, gab es noch eine Riesenféte mit einer Band aus dem Wendland. 


1988
    Im Sommer konnte endlich ein zweites WC im Erdgeschoß eingebaut werden, wofür etliche Meter Wasserrohre und Abwasserleitungen verlegt werden mußten.
    Im Herbst, an einem späten Sonntagnachmittag, krachte der schon sehr baufällige Stall plötzlich unter lautem Getöse in sich zusammen. Wir waren froh, daß der Zusammenbruch stattfand, als alle schon zu Hause waren und so niemand zu Schaden kam, unsere Kinder spielten zu gerne in der alten Bruchbude. 
1989
    1989 findet das zweite Projekt statt. Bei diesem ersten deutsch-polnischen IJGD-Projekt mit einer Gruppe von Bauingenieurstudenten aus Gielona Gora werden folgende Arbeiten ausgeführt: Abbruch der Stallreste, Abbruch des Garagenanbaus mit Beseitigung des dort gelagerten Mülls, Abbruch des alten Badezimmers. Einbau von neuen Holzfußböden in zwei der oberen Zimmer (einer davon war in seiner fast perfekten Ausführung das besondere Anliegen des mitgereisten Hochschulprofessors). Entfernen des Fußbodens in der Diele und Isolierung und Verlegung des neuen Fußbodens, d.h. Verlegen von Backsteinen. Wir füllen 13 Container mit Bauschutt. 
    Wir haben aber auch wieder viele bunte Abende mit viel Spaß. Ein Tag ist für Exkursion angesetzt. Am letzten Sonnabend gibt es wieder eine große Abschiedsfète mit einer Band. 
    Alles in allem hat den Polen das Projekt wohl sehr gut gefallen, sodaß sie anfragen, ob wir im nächsten Jahr nicht noch eines machen wollen. 

    Ab diesem Projekt muß der Verein die Kosten für die Verpflegung selbst tragen. Das macht ca. 4.500,-- DM aus. Für die Finanzierung von Baumaterialien, Bauschutt-Containern und weiteren Handwerkerleistungen - insbesondere die Anfertigung weiterer Fenster und zweier Türen - haben wir Spendengelder diesmal von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und von der Toto-Lotto-Stiftung erhalten.

    Im Herbst 1989 werden Ausgrabungen im alten Brennraum durch ein Studienseminar von Architekturstudentinnen und -studenten und Betreuern der Universität Hannover begonnen, die die Fundamente des alten Brennofens, Scherben und Belege für alte Arbeitstechniken aus dem Boden freilegen und archivieren. 


1990
    Im Mai Fortsetzung der Ausgrabungsarbeiten im Brennraum.

    Im Sommer kommt noch ein IJGD-Projekt zustande, wiederum mit Baustudenten aus Gielona Gora, Polen; diesmal kommen einige andere, aber drei Betreuer sind wieder dabei. Als eine Folge der geschichtlichen Entwicklung, d.h. durch den Fall der Mauer am 9. November 1989, kommt durch die Vermittlung einer Kunsthistorikerin aus Leipzig diesmal ein deutsch-deutsch-polnisches Projekt zustande. 

    Es werden mehrere kleinere Baustellen in Angriff genommen, z.B. Verputzen einer Wasserschaden-Ecke im Badezimmer, alten Putz abklopfen im Badezimmer/Toilette unten. Die Decke im großen ehemaligen Brennraum wird mit Heraklitplatten unterlegt. 

    neuer SchuppenHauptbaustelle ist der zusammengebrochene Stall bzw. Schuppen, der - im wesentlichen aus von Mörtelresten befreiten alten Steinen - wieder neu aufgebaut wird. Am Freitag der 2. Woche können wir tatsächlich Richtfest feiern, was vorher keiner geglaubt hat. 

    (Auf dem Bild, das bei unserem Pfingst-Workcamp 1996 entstand, ist im Hintergrund der neue Schuppen zu sehen)

    Zum Abschluß werden der Keller und die Werkstatt mit elektrischem Licht ausgestattet. Während dieses Projektes wird auch eine große Terrasse hinter dem Haus angelegt und mit den alten Steinen aus der Diele gepflastert. 

    Neben der Arbeit gibt es natürlich auch wieder eine Exkursion, viele gemütliche bunte Abende und Gesangstunden, und das anfängliche Mißtrauen zwischen Ostdeutschen und Polen schwindet allmählich dahin. Am letzten Abend gibt es ein großes Abschiedsfest. Diesmal scheitert ein Gegenprojekt in Polen.

    Später wird der neue Schuppen, den wir jetzt für die Lagerung von Holz und Geräten nutzen, noch mit einem Dach aus alten S-Pfannen versehen, die wir gebraucht und somit unentgeltlich besorgen konnten. 


1991
    Im Juni erfolgen Aufräumarbeiten im Garten, u.a. Abtragen eines alten Komposthaufens, Aufräumen um den kleinen Schuppen im Garten, Zersägen der Holzbalken zu Feuerholz für die Küche. Dabei wird ein Container voll. In den drei Räumen des neuen Schuppens wird ein Ziegelfußboden aus weiteren Abbruchsteinen eingebracht.

    Am 5.10.1991 führen wir in der Fayence-Manufaktur eine öffentliche Vortragsveranstaltung durch mit dem Thema "Die Geschichte der Fayencemanufaktur Wrisbergholzen von 1736".


1992
    Während der Osterferien wird der alte Dielenfußboden der Küche abgeschliffen, Fehlstellen ausgebessert und das ganze versiegelt. Danach erfolgt ein Neuanstrich von Wänden und Decke sowie die Einrichtung mit teilweise neuem Küchenmobiliar und einer Spüle.

    Im Sommer 1992 findet unser viertes IJGD-Projekt statt. Wieder sind unsere Freunde aus Gielona Gora da. Es wird diesmal ein kleineres Projekt nur mit polnischen Teilnehmern (neben den IJGD-Teamern und unseren Vereinsmitgliedern). 

    Folgende Arbeiten werden dabei durchgeführt: In die beiden unteren vorderen linken Räume, dem jetzigen "kleinen Museum", werden neue Fenster eingesetzt, ebenso in die Werkstatträume, und alle Fenster werden angeputzt. In den vorderen Räumen oben wird der Fußboden geflickt, die Wände, Fußleisten, Fenster und Türen gestrichen. Der Ziegelfußboden in der Diele wird verfugt, der Toilettenraum unten verputzt und gestrichen, ebenso die Fenster, Türen und Fußleisten. Die Fensterrahmen in der Diele werden nun auch von innen gestrichen. Ferner werden die restlichen Kieshügel hinter dem neu errichteten Schuppen beseitigt. 

    Die Exkursion führt diesmal nach Goslar mit einer Besichtigung der Kaiserpfalz und des unter Denkmalschutz stehenden, ehemaligen Silberbergwerks Rammelsberg. 


1993
    1993 beschäftigen wir uns damit, einen kleinen Museumsraum einzurichten. Im Mai findet in Zusammenarbeit mit dem Kestner-Museum in Hannover anläßlich einer dortigen Sonderausstellung über Fayencen aus Niedersachsen eine Exkursion nach Wrisbergholzen statt von interessierten Leuten, mit Besichtigung der Manufaktur und des Fliesenzimmers im Schloß. Aus diesem Anlaß bereiten wir ein kaltes Büffet vor, und nachmittags, nach der Tour zum Schloß, gibt es Kaffee und Kuchen im Garten hinter der Manufaktur. 

    Seit 1993 halten sich häufig zwei Studenten der Landespflege und Gartendenkmalpflege bei uns auf, die im Schloßpark mit Arbeiten im Rahmen einer Studienarbeit beschäftigt waren. Sie treten später dem Verein bei und erweitern durch ihre Tätigkeit die Aktivitäten des Vereins.


1994
    Der Verein feiert im Frühjahr sein 10jähriges Bestehen. Zum Jahresende erfolgt ein Wechsel im Vereinsvorsitz: Wolfgang Neß und Petra Fischer-Brunke lösen Ulrich Pagels und Dr. Gerd Weiß ab. Kassenwart bleibt Jörg Dietze.

    Da das Dach der Manufaktur immer reparaturbedürftiger wird, beschließt der Verein, besonders kostenträchtige Aktivitäten wie weitere IJGD-Projekte zunächst nicht mehr durchzuführen. Stattdessen werden Gelder für das Dach gesammelt und gespart. Die Mitglieder verstärken wieder ihren persönlichen Arbeitseinsatz für Reparaturarbeiten.


1995
    Die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins wird weiter intensiviert: Es werden vermehrt Führungen organisiert und Informationsmaterial hergestellt. Am Tag des offenen Denkmals am zweiten Sonntag im September wird die Manufaktur von etwa 150 Besuchern besichtigt. In diesem Jahr werden lediglich kleinere Reparaturmaßnahmen, u.a. wie jedes Jahr zunehmend am Dach, durchgeführt.
    Die Alte Manufaktur dient einem angehenden Restaurator an der FH Köln als Stützpunkt für die Vorbereitung seiner Diplomarbeit: Die Arbeit hat als Thema eine Schadensbestandsaufnahme und Vorschläge für eine Sanierung des hölzernen Monopteros im Schlosspark, wegen seiner einstigen Nutzung auch "Tee-Tempel" genannt. 
1996
    Die vor ca. 10 Jahren sanierten Fenster benötigen wieder einen neuen Anstrich. Ein organisiertes Pfingst-Workcamp mit fast allen Vereinsmitgliedern trifft hier Abhilfe. Auch die zentrale Eingangstür wird dabei mit viel Mühe von den inzwischen 9 Jahre alten Farbresten befreit, restauriert und in ihrem schönen alten Holz sichtbar belassen.

    An vier Sonntagen im Sommer finden in den lokalen Zeitungen angekündigte Führungen im Fliesenzimmer und in der Manufaktur statt. Daneben werden noch mehrere individuelle Führungen für interessierte Gruppen veranstaltet.

    Logo Denkmaltag 1996Am Samstag vor dem Tag des offenen Denkmals erscheint ein ganzseitiger Artikel über Wrisbergholzen in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Daraufhin erfährt der Ort einen wahren Ansturm von mehr als 1200 Besuchern. Alle Vereinsmitglieder bemühen sich den ganzen Tag über intensiv um die vielen interessierten Gäste, es ist jedoch kaum zu schaffen. Im Fliesenzimmer finden von 10 bis nach 17 Uhr anfangs stündlich, dann halbstündlich Führungen statt. Gleichzeitig werden laufend Führungen durch den Schloßpark und die Manufaktur durchgeführt. In der Vereinsküche ist schon gegen Mittag der selbstgebackene Kuchen ausverkauft; es gibt noch Nachschub aus der dörflichen Nachbarschaft, dann muß auf Waffelbacken ausgewichen werden; die Zutaten hierfür können in der Umgebung noch besorgt werden. 


1997
    Vereinsmitglieder-Workcamps finden Pfingsten und in der letzten Sommerferienwoche statt, um weitere Reparatur- und Renovierungsarbeiten durchzuführen. Pfingsten werden weitere Fenster gestrichen und u.a. auch ein neuer Zaun gesetzt. Im Sommer werden weitere Streicharbeiten und aufwendige Innenraum-Instandsetzungen im Erdgeschoß der Manufaktur durchgeführt.

    Die Planungen für die dringend erforderliche Dacherneuerung für das Manufakturgebäude, die möglichst 1998 durchgeführt werden soll, schreiten voran. Eine Ausschreibung wird herausgelegt und die Angebote bewertet, weitere Spendengelder gesammelt und Zuschüsse beantragt.

    Auch in diesem Jahr werden wieder vier öffentlich angekündigte Führungen durchgeführt inkl. einer Beteiligung am Tag des offenen Denkmals am 14. September. Die im letzten Jahr begonnene Zusammenarbeit mit der Wrisbergholzener Kirchengemeinde und der ev. Jugend bei der Betreuung der zahlreichen Gäste wird weiter ausgebaut.

    Unsere Führungen treffen auf zunehmendes Interesse: am 8. Juni wurden bereits ca. 150 Besucher verzeichnet, ebensoviele wie zwei Jahre zuvor am Tag des offenen Denkmals kamen. Insgesamt hatten wir 1997 wieder mehr als 1000 Besucher zu verzeichnen.


1998
    Beim inzwischen schon "traditionellen" Pfingstworcamp wird weiter an der Renovierung zweier bisher nicht genutzter Räume gearbeitet.

    Denkmaltag 1998Wieder gibt es im Sommer Besichtigungstermine an den jeweils 2. Sonntagen der Monate Juni bis September, der letzte ist wieder der Tag des offenen Denkmals. 

    Nachdem sich aus den zahlreichen Spenden der vergangenen Jahre ein stattlicher Eigenanteil des Vereins angesammelt hat, kann die gemeinsame Finanzierung des für die Manufaktur so dringend benötigten neuen Daches durch den Verein, die Eigentümerin, Gräfin v. Görtz, und großzügige Zuschüsse des Landes Niedersachsen sowie der Niedersächsischen Sparkassenstiftung sichergestellt werden. 

    Im Herbst wird dann endlich das langersehnte neue Dach erstellt. Es sichert nun hoffentlich langfristig die über all die letzten Jahre getätigten Erhaltungsinvestitionen.


1999 und 2000
    Zwei Jahre ohne besondere Höhepunkte: 
    Beim jährlichen Pfingstworcamp und am Ende der Sommerferien wird von Vereinsmitgliedern weiter an der Renovierung der Alten Manufaktur gearbeitet. 
    Unsere zwei Spezialisten für historische Gärten, Jens Beck und Volker Gehring, erzielen mit viel Fleiß weitere Etappenerfolge bei der Freilegung der ursprünglichen großzügigen Sichtachsen im Schlosspark. Man kann sich bei einer Führung heute schon viel besser vorstellen, wie prächtig dieser Park früher wohl gewesen ist. Sie betreiben daneben auch mit viel Engagement die Vorbereitungen für ein neues Projekt, das ihnen besonders am Herzen liegt: die Rettung des einzigartigen hölzernen Monopteros (=> Tee-Tempel) im Schlosspark. Bereits im Jahr 1995 waren im Rahmen einer durch den Verein unterstützten Diplomarbeit eines angehenden Restaurators an der FH Köln eine Schadensbestandsaufnahme erfolgt und Vorschläge für eine Sanierung gemacht worden. 

    Wieder gibt es im Sommer diverse Besichtigungstermine zwischen Juni und September, der letzte ist wieder der Tag des offenen Denkmals.  Der Verein sammelt dabei wieder allerhand Spenden für die anstehenden Aufgaben.


2001
    Anfang April können die Restaurierungsarbeiten am Tee-Tempel im Schlosspark beginnen, nachdem nun die Finanzierung der dafür veranschlagten DM 100.000 durch die Bezirksregierung Hannover, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Niedersächsische Sparkassenstiftung und last-but-not-least auch 17.000 DM durch den Verein sichergestellt ist!
    Im August 2001 können die konstruktiven Restaurierungsarbeiten abgeschlossen werden. In einer kleinen Feierstunde am 23. September werden die Ergebnisse den Wrisbergholzenern und Vertretern der Sponsoren vorgestellt. Was noch für 2002 verbleibt ist die farbliche Fassung.

    Weiterhin kann im Herbst 2001 eine dringende, bestandserhaltende Fachwerksanierungsmaßnahme an der Alten Manufaktur durchgeführt werden. Dabei wird ein durch einen Wasserschaden verrotteter Eckpfeiler ausgetauscht und weitere Teile des Fachwerks in dessen Umfeld instandgesetzt bzw. wiederhergestellt. Auch hierbei hat uns wieder unser treuer Sponsor, die Sparkassenorganisation über die Nds. Sparkassenstiftung und die Kreissparkasse Hildesheim großzügig unterstützt.

    Und natürlich auch in diesem Jahr wieder das Vereins-Workcamp zu Pfingsten und im Sommer sowie diverse Besichtigungstermine mit dem Tag des offenen Denkmals am zweiten Sonntag im September als abschließendem Höhepunkt.


2002
Im August 2002 werden die Restaurierungsarbeiten am Tee-Tempel mit dem Aufbringen einer hellen farblichen Fassung abgeschlossen. Das Ergebnis kann den Besuchern bei einem Sommerfest im Schlosspark am 17. August präsentiert werden.

Das Fest ist ein voller Erfolg. Mehrere Hundert Besucher aus Wrisbergholzen und der näheren und z. T. auch weiteren Umgebung erfreuen sich nach einem Picknick auf der Schlosswiese am Spiel des Blasorchesters Wrisbergholzen und des Spielmannszugs der freiwilligen Feuerwehr Grafelde, dem anschließenden Kulturprogramm an verschiedenen Spielstätten im Park und dem abschließenden kleinen Feuerwerk.

    Dabei hat der Wettergott ein Einsehen mit den Feiernden: während es ringsum hörbar mehrere Gewitter gibt, fallen hier am Abend nur einige kaum registrierte Tröpfchen...
    Leider muss das geplante Klavierkonzert mit Mototsugu Harada ausfallen, da der Spediteur des Flügels an diesem Tag einen Unfall hat. Viele Besucher wünschen sich eine baldige Wiederholung eines solchen Festes.

    Im Schlosspark werden von Jens Beck und Volker Gehring, unseren beiden Gartenfans, wieder diverse Arbeiten durchgeführt, die beim Sommerfest besondere Anerkennung vor allem von alten Wrisbergholzenern erfahren, die den Park noch in seinem ehemals total verwilderten Zustand kennen.
    Ansonsten wird von den Vereinsmitgliedern in diesem Jahr u.a. die Fachwerkfassade der Manufaktur mit einem frischen Anstrich versehen, die Wände der Werkstatt in der Manufaktur gekalkt und die Sanitärausstattung im Haus ausgebaut. Letzteres vor allem deshalb, weil im August ein neues Vereinsmitglied, die Töpferin Kerstin Hasselbach, mitsamt ihrer Werkstatt in die Alte Manufaktur eingezogen ist und so in dem Haus nach 168 Jahren wieder eine Produktion von Keramik und Fayencen aufgenommen wird.

    Unser bisheriges "Kleines Museum" muss Platz machen für die Keramikwerkstatt. Die Ausstellungsstücke, z. T. in Puzzlearbeit wieder zu größeren Einheiten zusammengefügt, werden in vier Glasvitrinen zusammengefasst und sind jetzt in der Diele zu besichtigen.
    Schließlich finden auch dieses Jahr wieder diverse Führungen statt, sowohl die auf der Homepage angekündigten öffentlichen als auch etliche individuell vereinbarte für spezielle Besuchergruppen. Immer wieder eine besondere Attraktion sind dabei die Erläuterungen von Johannes Köhler, unserem Liebhaber des Fliesenzimmers im Schloss. 


2003
Im Mai führt der Verein in der Manufaktur eine Kleinkunst-Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Frühlingsstimmen" durch. An vier Abenden treten verschiedene Künstler auf, die mal Literarisches und Poesie, mal Musikalisches zum Besten bringen.
 

Archiv speziell für kulturelle Veranstaltungen des Vereines und (ehemals) Aktuelles ab 2002
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