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Zur Geschichte des Schloßparks in Wrisbergholzen 

Die Entstehung und Entwicklung des Schloßparks ist bisher noch nicht eingehend erforscht worden, sodaß lediglich einige durch Pläne und Abbildungen belegbare Grundaussagen zur Geschichte dieser bedeutenden Gartenanlage möglich sind. Vermutlich wurde bereits beim Bau des heutigen Schlosses oder kurz nach dessen Fertigstellung an der Ostseite ein Garten konzipiert, der entsprechend der Formsprache des Barock einen geometrischen Grundriß und die typische Gliederung in eine schloßnahe Parterre-(Beet-) Zone und ein daran anschließendes Hecken bzw. Baumquartier (Boskett) besitzt. Ein Plan der Gesamtanlage aus dem Jahr 1741 zeigt diesen ersten Garten, über dessen beabsichtigte Ausgestaltung nichts bekannt ist. Ob der Plan tatsächlich umgesetzt wurde, ist fraglich. Da die ausgeführten Gebäude nicht ganz mit den verzeichneten Bauten übereinstimmen und der vorhandene Bestand keine Elemente enthält, die sich mit der Darstellung in Verbindung bringen lassen, dürfte es sich wahrscheinlich um einen Entwurfs- bzw. Idealplan handeln, der nicht oder nur in Ansätzen ausgeführt wurde.

Ein späterer Plan ist mit der Jahreszahl 1779 datiert und als "GRUNDRISS von dem SCHLOSS=GARTEN, Küchengarten, neuen getauschten Plätze und den beiden Teichen, nebst der Wiese und den übrigen Gärten, so daselbst befindlich..." betitelt. Vermutlich handelt es sich um einen Bestandsplan, der bereits den Übergang von Barock- zum Englischen Landschaftsgarten dokumentiert. An der Ostseite des Schlosses befindet sich ein längsrechteckiger, in geometrischen Formen gestalteter Garten, der durch ein orthogonales Wegesystem in sechzehn gleichgroße, ebenfalls rechteckige Beetflächen unterteilt wird. Die Hauptwege sind durch größere Breite und begleitende Rasenstreifen hervorgehoben. Der Längsweg ist in östlicher Richtung über das Areal des Gartens hinaus verlängert, so daß er eine Aussicht von der Schloßtreppe über die Anlage in die freie Landschaft ermöglicht wird. Obwohl über die Ausstattung des Gartens außer den im Plan enthaltenen Details nichts bekannt ist, ist anzunehmen, daß es sich in erster Linie um einen Nutzgarten gehandelt hat, der durch Blumenrabatten, Rasenstücke, kleine Lauben und vielleicht auch Wasserbecken aufgeschmückt war.

Im Osten ist an den geometrischen Barockgarten eine landschaftliche Partie angefügt, die eine im Sinne der veränderten Gestaltungsabsichten deutlich andere Formsprache zeigt: Die regelmäßigen Strukturen werden nicht fortgeführt, sondern durch freiere, dem Vorbild der Natur nachempfundene Elemente aufgelöst. Zu erkennen sind ein bachähnlicher Wasserlauf mit einer Brücke, ein Aussichtshügel, einzelne Baumgruppen und hainartige Bestände und Wege, die Trampelpfaden ähneln. Zu diesem Zeitpunkt entspricht das gestaltete Areal etwa einem Drittel der heutigen Anlage.

Ein 1824 entstandener Plan dokumentiert die weitere Entwicklung: Der Garten ist nach Osten erweitert worden, wobei ein ehemaliger Mühlenteich in den Park mit einbezogen wurde. Die geometrische Partie ist vollständig beseitigt und landschaftlich überformt worden. Das Parterre wurde durch eine große Wiese ersetzt, die von dichten Gehölzbeständen mit zahlreichen Wegen umgeben ist. Nähere Einzelheiten sind dem Plan nicht zu entnehmen; allerdings wurde in dieser Zeit vermutlich der bis heute erhaltene hölzerne Tempel auf einem Aussichtshügel errichtet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhält der Park seine endgültige Größe und wird teilweise umgestaltet, beispielsweise wird um 1860 ein Grabmonument errichtet. Bemerkenswert ist ein Plan des Lenné-Schülers und späteren Berliner Gartendirektors Gustav Meyer aus dem Jahr 1864. Er zeigt eine Neuplanung für die Umgebung des Schlosses.

In der Zeit nach 1900 wechseln Vernachlässigungsphasen mit solchen der intensiveren Pflege ab, wodurch das Erscheinungsbild der Anlage mehr oder weniger verändert wird. Grundlegende Neugestaltungen sind jedoch nicht bekannt, sodaß der Park in seinen Grundstrukturen des 19. Jahrhunderts bis heute erhalten ist.
 
 

Überlegungen zur denkmalgerechten Pflege

Der Schloßpark wird seit ca. 20 Jahren nicht mehr gepflegt, einige Teile sind sogar seit über 40 Jahren vernachlässigt. Der Prozeß der Verwilderung ist bereits so weit fortgeschritten, daß einige Bereiche nicht mehr betreten werden können. Die ehemals vorhandene Substanz und Ausstattung der unter Denkmalschutz stehenden Anlage ist mittlerweile auf die Grundstrukturen und die langlebigsten Gehölze reduziert. Schmuckelemente wie Beete, Figuren o. ä. sind bis auf einige Reste verschwunden. Dennoch vermittelt der Park eine recht gute Vorstellung von der landschaftlichen Gestaltung des 19. Jahrhunderts. Sein Alterswert ist durch die zahlreichen Gehölze, die zu beeindruckender Größe herangewachsen sind, sehr hoch; außerdem ist der Park über die Grenzen Niedersachsens hinaus von großer kunstgeschichtlicher Bedeutung, die auf der Größe der Anlage (ca. 9 ha), den erhaltenen Spuren des Barockgartens, der künstlerischen Qualität der landschaftlichen Gestaltung und dem zumindest teilweise umgesetzten Plan von Gustav Meyer beruht.

1996 wurde als Studienarbeit an der Universität Hannover ein Pflegekonzept erarbeitet, das als Grundlage dienen kann, um den weiteren Verfall der Anlage aufzuhalten und die entstandenen Schäden zu beseitigen, wurde. Im Gegensatz zu den Parkpflegewerken, die in Anlehnung an die von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur herausgegebenen Leitlinien entstanden sind, ist in der Studienarbeit versucht worden, ein streng an der Bewahrung des vorgefundenen Bestands orientiertes Konservierungskonzept zu entwickelt, das den in der "Internationalen Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern und Ensembles (Denkmalbereichen)" (nach dem Ort ihrer Veröffentlichung 1964 auch "Charta von Venedig" genannt) denkmalpflegerischen Grundsätzen verpflichtet ist. Die dort postulierten Regeln schienen den Autoren wesentlich enger dem Auftrag der Denkmalpflege verpflichtet, historisches Kulturgut zu bewahren, als die bereits erwähnten Leitlinien für Parkpflegewerke oder die "Charta der historischen Gärten" (hrsg. Von ICOMOS – IFLA 1981 in Florenz).

Daher wurde als Grundlage für das Wrisbergholzer Pflegekonzept nicht ein auf historischem Quellenmaterial beruhendes Leitbild entwickelt, auf dessen Verwirklichung die Pflegemaßnahmen abzielen, sondern eine ausführliche Betrachtung und Analyse des vorhandenen Bestands durchgeführt mit dem Ziel, Schäden und die durch Vernachlässigung bewirkten Veränderungen zu erkennen. Im Falle der Gehölze wurde beispielsweise versucht, die gepflanzten, in gestalterischer Absicht eingebrachten Bäume von jenen zu unterscheiden, die durch Eigenverbreitung aufgewachsen sind. Es wurde dabei keine qualitative Unterscheidung getroffen in Gehölze, die eine besondere gestalterische, vermeintlich künstlerisch wertvolle Stellung besitzen und solche, die möglicherweise nur aus einer Laune heraus ohne größere Absicht eingebracht wurden. Wertungen dieser Art sollten bewußt nicht erfolgen und waren schon durch das ebenfalls bewußt ausgelassene Quellenstudium unmöglich. Vielmehr war die Absicht, die eindeutig "nicht absichtlich gepflanzten" Gehölze zu identifizieren und sie, wenn von ihnen eine Beeinträchtigung anderer Gehölze oder einer erkennbaren Gestaltung (Aussichten o. ä.) ausgeht, zu entnehmen. Durch dieses Vorgehen sollen die weitgehende Schonung der Substanz gewährleistet und gleichzeitig die Veränderungen des Denkmals möglichst gering gehalten werden.

Um die eindeutig gepflanzten Gehölze innerhalb des Bestands ausfindig zu machen, wurden verschiedene Kriterien aufgestellt ("Exot", am Standort keine Eigenverbreitung der Gattung erkennbar; gärtnerisch behandelter Baum mit Veredelungen, Schnitten etc.; "alter" Baum, vor der letzten Vernachlässigungsphase gepflanzt oder belassen; andere Kennzeichen wie Habitus o.ä.). Bei Bäumen, deren Zuordnung nicht eindeutig möglich war, wurde meist gegen die Fällung entschieden, um nicht historische Substanz, die als solche nicht erkennbar ist, zu vernichten.

Bei den anderen Elementen der Anlage (Wege, Wasserläufe u. a.) wurde entsprechend verfahren. Am Ende stand ein umfangreicher Katalog von einzelnen Maßnahmen, mit deren Hilfe der Park in seiner jetzigen Gestalt, soweit dies bei Gartendenkmalen möglich ist, erhalten bleibt. Gegenwärtig werden die Wege schrittweise freigelegt, die Schloßwiese regelmäßig gemäht und in jeder Wintersaison ca. 30 Bäume gefällt. Zur Durchführung der Maßnahmen stehen außer den Arbeitskraft der Vereinsmitglieder jedoch keine Mittel zur Verfügung, sodaß die Zukunft der Anlage noch ungewiß bleibt.

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Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen e.V.