Ankündigung der Veranstaltungsreihe "Frühlingsstimmen 2004" in der Fayencemanufaktur Wrisbergholzen

Die "Frühlingsstimmen 2004" sind in diesem Jahr erstmals Förderprojekt des vom Literaturrat Niedersachsen e.V. zwischen 23. April und 8. Mai 2004 landesweit veranstalteten "Bücherfrühling 2004"(www.literaturrat-nds.de). Anlaß für das zweiwöchige Literaturprogramm ist der Welttag des Buches am 23. April.

Da unser Verein nicht mehr selbst als Veranstalter auftreten möchte, ist die Kulturherberge e.V. Regionalveranstalter für das Projekt "Frühlingsstimmen 2004".

Ein kleiner Schwerpunkt im diesjährigen Programm bildet das Thema "Märchen". Das ist insofern naheliegend, da ja gerade von Alfeld aus Wrisbergholzen hinter den ´Sieben Bergen` liegt. Dabei sollen aber keine Zwerge, Prinzessinnen und Prinzen zum Leben erweckt werden, sondern die Märchen als spannende und tiefsinnige Literaturform vermittelt werden. Dieser Aufgabe fühlt sich Engelbert Georg, Rezitator und Leiter des Sprechchors Hannover besonders verpflichtet. Er ist uns noch mit einem tiefgründigen, geistreichen und mitreißenden Rezitationabend im vergangenen Jahr in lebhafter Erinnerung. Besonders freut mich, das wir dieses Jahr zusätzlich ein Programm für Kinder anbieten können, das auch von Kinder auf eine ganz besondere Art präsentiert wird. Sprechen im Sprechchor ist eine Kunstform und unterscheidet sich deutlich von unserer Umgangssprache. Wenn man aber ein Gespür für Rhythmus, Klang, Ausdruck und Bedeutungstiefe hat, wird man feststellen, daß unsere Umgangsspache dem Kunstwerk Sprache nicht unbedingt gerecht wird. Ich würde mich freuen, wenn sich dies neben dem Inhalt des Märchens "Das gestohlene Morgenrot" ebenfalls vermitteln würde.

Es wäre denkbar, daß noch kein Mai in Wrisbergholzen als Monat des Frühlings und der Liebe so furios eingeleitet wurde wie mit dem Wochenende 7./8. Mai 2004. Die Male Babes waren dankenswerter Weise im vergangenen Jahr spontan für das teilerkrankte Duo Cancion eingesprungen, hatten das Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen und durften die Bühne erst nach etlichen Zugaben verlassen. Es ist anzunehmen, das ihr neues Programm nicht weniger Wirkung entfalten wird. Wirkung könnte auch die Lesung "Liebe - Lust, Wollust und Begierde" entfalten. Auch wenn sich hier Stirnen runzeln, Augenbrauen in die Höhe fahren und Eltern möglicherweise ihre jugendlichen Kinder festhalten, es ist nur Literatur aus den vergangen fünf Jahrhunderten.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen und Künstlern sind in das nachfolgende Programm eingefügt:

"Frühlingsstimmen 2004" in der Fayencemanufaktur Wrisbergholzen

Veranstaltungsort: Fayencemanufaktur Wrisbergholzen, Unterdorf 9 in 31079 Westfeld, Kartenvorbestellung wochentags 10.00 bis 18.00 Uhr bei Kerstin Hasselbach in der Manufaktur unter Tel.:05065/800976 oder zu ihren Geschäftszeiten Mittwochs 15.00 - 18.00.

Veranstalter: Kulturherberge e.V. in Kooperation mit dem Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen e.V.

Eintrittspreise: 10 Euro je Veranstaltung für Erwachsene
5 Euro für Kinder

 

Samstag, 24. April 2004; 20.00 Uhr: "Das Märchen vom Machandelbaum" Engelbert Georg, Rezitation und Performance und Alexander Goretzky, Klavier präsentieren einen Märchenabend für Erwachsene.

Machandelbau

Juniperus communis

auch Quickholder, Queckholder oder Wachholder

Ein alter Bauernspruch besagt:" Vor dem Holunder soll man den Hut abnehmen, vor einem Wachholderbaum muß man in die Knie gehen:"

Einstmals erlebten die Menschen die Bäume als Verweilorte von Götter, Geistern oder Verstorbenen. Der Wachholder galt als Verweilort der Verstobenen. Wollte man von ihnen eine Botschaft empfangen, so befragte man die Wachholderdrossel, den Vogel Kranawitt.

Horror-Story

"Mutter schlägt Stiefsohn den Kopf ab, verarbeitet ihn zu Suppe/ Vater ißt ihn mit zunehmendem Vergnügen."

Diese Kurzform des Märchens vom Machandelbaum würde als Zeitungsüberschrift die Auflagen in die Höhe schnellen lassen. Als Märchenkassette käme es womöglich auf den Index jugendgefährdender Publikationen.

In jeder einigermaßen vollständigen Ausgabe der Grimmschen Märchen darf das Märchen ganz ungeniert gedruckt werden. Wollen die Gebrüder Grimm hier schon unsere Jüngsten vor Kanibalismus warnen? Spätestens an diesem Märchen zeigt sich: Wir können nicht - wir müssen die Geschichte anders verstehen, in die Bilder mit künstlerischem Sinn eintauchen, imaginativ erleben.

Da ist der einsame, ernste Wacholderbaum. Mit seinem Holz und Reisig gibt er zum Räuchern Gaben der Reinigung. Mit seinen Früchten spendet er Gaben der Gesundung. Todesernst und Lebenserneuerung erfahren wir an ihm.

Die Bilder vom Tod des Erdenkindes, seiner Auferstehung und erneuten "Beschwerung" mittels eines Mühlenrades ist ein früher Ausdruck einer Anschauung vom wiederholten Erdenleben und karmischem Ausgleich, wie wir sie ja auch bei Lessing, Goethe, Novalis und vielen anderen des klassisch-romantischen Geisteslebens in Deutschland finden - keinesfalls nur im Buddhismus. Bei uns alles nur verhüllter und auf der ständigen Hut vor einer übermächtigen Kirche, die solche "Irrlehren" auch Jahrhunderte nach der Inquisition immer noch gnadenlos verfolgte.

Das es sich bei dem Märchen vom Machandelbaum um ein echtes Auferstehungsmärchen handelt, zeigt sich auch daran, dass die Knöchelchen des verstorbenen Knaben (Liebend aufbewahrt von der schwesterlichen Seele, von Marleneken) mit "hinüber" genommen werden. Die Erdenerfahrungen, die bis auf die Knochen gingen, gehen nicht verloren, sie werden gewichtet und gewertet und geben dem jenseitig Lebenden immer wieder Maß und Richtung für einen neuen Gang durchs Erdensein. Ein Erlösungsmärchen ließe alles hinter sich, lebte im Glück des Loslassens. Dieses Märchen aber will verwandeln und "Schuhe", "Goldkette" und "Mühlenstein" neu ergreifen. In diesem Neuergreifen ist der "Auferstandene" schön: "Kiwitt, watt für´n schön Vogel byn ick!"

Nein, das Märchen vom Machandelbaum ist durchaus keine Horror-Story mit warnenden Effekten zur Aufklärung unserer Kids über Kannibalismus. Es ist eines der tiefsinnigsten Märchen der Grimmschen Sammlung überhaupt. Die Erfahrung zeigt, dass Kinder dies ahnen und Erwachsene es wohl fassen können. Es hängt auch wohl von der Kunst des Erzählens ab. (Engelbert Georg)

Sonntag, 25. April 2004; 15.30 Uhr: "Das gestohlene Morgenrot"

aus der Märchensammlung "Dolomitensagen" für kleine und große Kinder ab acht Jahren.

Solisten des Kindersprechchors Hannover unter der Leitung von Engelbert Georg stellen die Märchensammlung vor und erzählen das Märchen vom gestohlenen Morgenrot. Musikalische Begleitung durch Alexander Goretzky am Klavier

Einstmals sagte man: "Du sollst nicht stehlen!" Irgendwann sagt man: "Ich will nicht stehlen!" Und zwischendurch, was sagt man da? Sagt man etwa:" Lass dich nicht erwischen?"

Gestohlen wird beinahe alles! Geld wird gestohlen, und das Vertrauen schwindet. Autos werden gestohlen, und die Versicherungen erhöhen ihre Beiträge. Möbel werden gestohlen, und die Bewohner verbarrikadieren sich. Ja selbst Wasser(zum Beispiel in der Wüste) wird gestohlen Die Oase versandet. Was aber, wenn selbst das Morgenrot gestohlen wird?

Engelbert Georg, beliebter Geschichten- und Märchenerzähler aus Hannover erzählt Wetterwendisches und Wetterwendendes. Die Sage vom gestohlenen Morgenrot entstammt den wildzerklüfteten Landschaften des Dolomiten-Gebirges. Die Dolomiten-Sagen beeindrucken durch ihre elementare Bildhaftigkeit. Sie erzählen, oft auf dramatische Weise, von der großen Natur, von ihren Taten und Leiden, ihren Verletzungen, ihrer Rache und immer auch von ihrer Versöhnung.

Die Dolomiten-Sagen sprechen von der Natur als einem wesengetragenen Kosmos schaffender, schirmender, zerstörender und aufbauender Geister. Der Mensch ist in diesem Kosmos, im Guten wie im Schlechten, Geist unter Geistern.

Engelbert Georg

Ausbildung zum Dekorateur in Süddeutschland, Umzug nach Oldenburg, dort Mitarbeit in vielen künstlerischen, pädagogischen und sozialen Zusammenhängen, Projektleiter im Obdachlosenheim, Kinder und Jugendbetreuung.

Beginn eines Studiums der Religionspädagogik an der Universität Oldenburg - heftige Enttäuschung.

Eurythmie(Tanz)- und Schauspielstudium u.a. bei Heinz Friedrich, Ilona Schubert und Dr. Greiger in Witten, Salem und Dornach (Schweiz).

Engelbert Georg arbeitet heute als freischaffender Künstler und Kulturpädagoge: Theater, Rezitation, Mythen, Märchen Sagen, Vorträge, Seminare,Berufsfortbildung, Zeremonialgestaltung ...

In Hannover, wo er seit 1990 lebt, leitet er, verbunden mit einer Sprechschule, den ersten und einzigen Sprechchor in Deutschland. Und wenn er nicht gerade auf der Bühne steht, in Schule, Kindergarten, Stadtpark oder Supermarkt das Wort erhebt - besser: zum Wort ermuntert, dann schreibt er auch schon mal Theaterstücke oder Gedichte.

Alexander Goretzky

freischaffender Komponist, Pianist und Musikpädagoge; Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, arbeitet seit 1999 als Theatermusiker in verschiedenen Produktionen, zuletzt "irre e.V." mit der Theaterwerkstadt Hannover.

Weitere Tätigkeiten: Tangoensembles "no te quiero mas" und esta noche", Chansonprogramme mit Uta von Bargen und Martin Heim, diverse Arbeiten mit dem Sprechchor Hannover, seit 2003 Orchester-Elektronik-Projekt "crossfade - club meets classic sowie Mamboformation "mango carlton".

Sonntag, 25. April 2004; 19.00 Uhr: "Traummänner - Männerträume"

der Chor "Takt 16" aus Hannover präsentiert Chor- und A-cappella-Gesang von Renaissance bis heute

"Traummänner und Männerträume". Unter diesem Titel gastiert der hannöversche Männerchor "Takt 16" nun zum ersten Mal in Wrisbergholzen.

Es erwartet Sie ein abwechselungsreiches Programm, indem es natürlich um Frauen, Liebe und Eifersucht, aber auch um große Freiheiten, kleine Abenteuer sowie Träume aus glücklichen Kindertagen geht.

Freuen Sie sich auf starke Songs, zarte Weisen, alte und neue Lieder, traumhaft schöne Melodien und den Rhythmus, wo jeder mit muss.

"Traummänner - Männerträume" ist ein Programm, "das explizit um maskuline Gefühlszustände kreist. Da gibt es zur Schau gestellte Kernigkeit in Sauflied- und Flamencoadaptionen, Abbas "Mamma mia" oder das verhaltenspsychologisch wertvolle "Fifty ways to leave your lover" nach Paul Simon. Insgesamt ein crossoverndes Renaissanceromantikrockpoprepertoire, das den Hannoveranern als Vorlage für den gut choreografierten Chorgesang diente." taz bremen 3.11.03

...Weit jenseits des Ännchens von Tharau erforschten die "Traummänner" im ungebügelten Sweatshirt mit erheblicher Selbstironie männliche Befindlichkeiten. ...Immer mehr rückten dann vor dem ständig kichernden Publikum jene Wesen in den Vordergrund, die "anders sind als wir, und mit zunehmendem Alter immer interessanter werden", wie Bleyl popmusikalisch verarbeitete Beziehungskisten ankündigte. ...

...Wie gut das Ensemble singen kann, war dann im zweiten Teil zu hören, als sich der Chor - inzwischen etwas seriöser gewandet - dem Liedgut der Renaissance annahm und unter anderem zwei wunderschöne Madrigale von John Dowland intonierte.

HAZ 19.01.04

Freitag, 7. Mai 2004; 20.00 Uhr: "Drei Männer zum Frühstück" eine Vorschau auf das neue Programm der "Male Babes"

"Drei Männer zum Frühstück"- das fängt ja gut an. Wohin soll das bloß führen? Wird es überhaupt irgendwohin oder zu irgend etwas führen? Ist das ein Ende oder ein Anfang? Sicher ist, dass es Anfang Mai ist, wenn uns die Male Babes mitnehmen auf ihre Reise ans Ende der Welt. Jedenfalls in Ihren Chancons.

Diese führen den Sänger Martin Heim, den Gitarristen Rainer Scheurenbrand und den Bassisten Gregor Schwellenbach in ein Spanien Pedro Almodovars, ein Brasilien Chavela Vargas' und in die heruntergekommenen Kellerkneipen eines Tom Waits. Drei junge Männer auf Reisen also. Doch wer gehört zu wem? Wann lohnt sich ein Bleiben, wann empfiehlt es sich zu gehen? Wohin? Und mit wem? Es gibt immer wieder Möglichkeiten an den großen Themen oder Gefühlen des Lebens hängen zu bleiben oder gar zu scheitern.

Das Chansonprogramm der Male Babes beinhaltet eineinhalb Stunden bekannte und unbekannte Chansons in verschiedenen Sprachen, zumeist aber mit eigenen deutschen Texten über die großen Gefühle des Alltags wie Kater, Karies oder Liebeskummer und dabei - das wundert bei derartigen Turbulenzen nicht - sprüht es Funken, da fliegen die Fetzen und auch schon mal ein Turnbeutel aus dem Fenster. Das Publikum lacht Tränen, denn schließlich geht es um Trauer und Schmerz.

"Mit offenen Hemden und 'direkt aus dem Solarium' holte sich die Chanson-Boygroup Male Babes mit frechen Texten, Testosteron in der Stimme und viel Fingerfertigkeit an Bass und Gitarre den Niedersächsischen Kleinkunstpreis." (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 06.05.2002)

Sollte es richtig sein dass wir Menschen lediglich 9% unserer Lebenszeit mit akuter Trauer verbringen, und 90% mit dem Warten darauf, dass das große Glück kommt, sollte man sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, eineinhalb Stunden dieser Wartezeit mit 100%iger Unterhaltung auf angenehmste beschenken zu lassen.

Martin Heim

kennt das Showbiz in allen Stellungen. Als Darsteller in Musicals wie "Emil und die Detektive" (Operettenhaus Hamburg) oder "Das gibt's nur einmal" (Grenzlandtheater Aachen), als Puppenspieler in Ralf Königs "Condom des Grauens" und im "Little Shop of Horrors" im Hannoveraner Glockseetheater, als Gesangscoach für die "Sesamstraße" und "Stella"-Musicalproduktionen, als Studiosänger u.a. für die "Scorpions" und "Studio Hamburg Synchron".

Aber das beste ist: seit 1990 steht er mit eigenen Chansonprogrammen auf den Kleinkunstbühnen in Deutschland und dem benachhbarten Ausland.

Seine Gesangsausbildung absolvierte er bei Jacek Dutka an der Universität Hildesheim.

Rainer Scheurenbrand

ist als klassischer Gitarrist kein unbekannter. Als Solist und in kammermusikalischen Ensembles gab er Konzerte in ganz Deutschland, in Frankreich, Griechenland, Israel und Rußland. In Rio de Janeiro stand er als einziger Europäer im Finale des renommierten "Villa-Lobos"-Gitarrenwettbewerbs. Er spielte CDs mit klassischer Musik ein, aber ebenso Folklore- und Ambientproduktionen. Bei Prof. Frank Bungarten studierte Rainer Scheurenbrand an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. 1998 erhielt er dort einen Lehrauftrag.

Gregor Schwellenbach

ist nicht nur Kontrabassist. Seine Kompositionen sind in Theaterstücken und Hörspielen, in Fernsehspielen und -serien zu hören. Für Produktionen wie die rtl2 Fame Academy arbeitete er als Arrangeur, aber auch als Pianist in Bars wie dem Steigenberger Hotel Hamburg. Zur Zeit ist er musikalischer Leiter des Schauspiels am Stadttheater Aachen.

Samstag, 8. Mai 2004; 20.00 Uhr: "Liebe - Lust, Wollust und Begierde"

Alles ist möglich, alles erlaubt

Eine erotische Lesung

Wo Gedichte sind, ist das Thema Liebe nicht weit. Das weiß jeder noch aus dem Deutschunterricht. Wer hat sich da nicht alles durch die Epochen gesehnt, die Goethes und Schillers, die Heines und Hölderlins. Wenn hier auch noch so die Tränen flossen und Seufzer gen Himmel geschickt wurden – spätestens beim Küssen war hier Schluss. Und der Rest? Nur im Sinn?

Wo die Liebe ist, sind auch die anderen Sachen nicht weit. Sachen, die man vergebens in den Deutschbüchern sucht. Die großen und kleinen Körperlichkeiten, um die zwar der Lehrplan einen großen Bogen macht, nicht aber die Literatur. Den Beweis treten Ann Vielhaben und Manfred Eisner aus dem Kreis der Berliner "Vorleser" mit ihrer Lesung in der Manufaktur Wrisbergholzen an. Ein Abend, der mit dem gemeinsamen Aufstehen am Morgen beginnt, "Guten Morgen, Du Schöne", sich langsam durch die Jahrhunderte und Facetten des Liebeslebens bewegt und dabei auch zu dem ein oder anderen Höhepunkt kommt. Doch, wie gesagt, es geht sanft los. Leise flehen Ludwig Rellstabs Lieder, die Nachtigall singt, ach, Liebchen, höre mich, Kerzenschein, Schummerlicht und rote Rosen. Aber dann. Wehe, wenn die Liebe langweilig geworden ist. Guy de Maupassants Geschichte erzählt von der braven Henriette, die plötzlich von "kleinen Schändereien" träumt, sich mit ihrem Mann Paul in einem Chambre Separée trifft und bei Kraftsuppe und Champagner erfährt, wie viele er schon vor ihr gehabt hat. Wie bitte? Hundert? Erst ist das "Pfui". Und dann gefällt ihr der Gedanke, dass Abwechslung doch auch Vergnügen bringt.

Schon drei Jahrhunderte vorher hatte sich Johannes Secundus dieses Phänomens angenommen. Ja, Abwechslung muss sein, und so verfasste er 19 Gedichte rund um den Kuss, seine Ausprägungen, Motive und Empfindungen. Das Publikum juchzt auf. Erst recht, als es in den Gedichten von Pietro Aretino noch um weitaus mehr als nur den Kuss geht. Lyrik, so deftig und direkt, dass sie zwar 1525 gedruckt, aber gleich danach verboten und verbrannt wurde. Dennoch retteten sich Aretinos Bedienungsanleitungen für Liebende tapfer durch die Jahrhunderte. Vielleicht lag und liegt das an seiner Botschaft. Alles ist möglich, alles ist erlaubt.

Ach, wenn das so einfach wäre. Mann und Frau, das ist ein komplizierte Sache, wo geliebt wird, setzt mindestens der Verstand aus, eher mehr, Kröten werden zu Göttinen und gebackene Kuhfladen zu Traumprinzen. Nichts hilft mehr. Ann Vielhaben und Manfred Eisner zeigen, dass das auch schon immer und überall so gewesen ist.

Die Berliner "Vorleser" sind ein offenes Ensemble von Schauspielern, Sprechern und Performern, die zusammen mit Autoren, Regisseuren und Musikern gemeinsam Leseprogramme erarbeiten. Ihre Geschichten rund um die Liebe erzählen die Schauspieler Vielhaben und Eisner aus der Sicht von unschuldigen Mädchen, impotenten Männern, unmoralischen Witwen und masurischen Holzfällern. Sie alle haben etwas gemeinsam. Die Liebe, oder deutlicher, das Verlangen, macht mit ihnen, was es will. Kein Wunder also, dass die Literatur voll davon ist. Widerstand ist sowieso zwecklos, "als würde man der Sonne eine Kerze schenken". Na, für manche Sachen braucht man eben kein Deutschbuch. Maren Klein

Ja, so wird dieser Abend von einem Thema handeln, daß sehr viel älter ist als der Ort des Geschehens. Egal ob man das Alter der Manufaktur mit ihren 268 Jahren nimmt oder das Alter des Dorfes in der sie steht. Wrisbergholzen wurde in Urkunden des 14. Jahrhunderts erwähnt. Es ist in diesem Jahr also schätzungsweise der 674. Mai in Wrisbergholzen. Vermutlich wurde jedoch keiner vorher so analytisch, Hilfe reichend, beispielgebend, oder schlicht furios eingeleitet wie dieser Mai 2004 als Monat des Frühlingserwachen und der Liebe. Und wie die Musik zur Liebe gehört, wird auch diese Lesung musikalisch begleitet von Corinna Simon am Klavier.

ANN VIELHABEN 

Geb. 1975 in Hamburg, Schauspielstudium am Hamburgischen Schauspielstudio Hildburg Frese,Theaterengagements in Hamburg, Celle, Paderborn, Greifswald und Berlin

Film und Fernsehen: Mitwirkung in ca. 10 Filmen ( "La vie revée des anges", "Hermannplatz", "Ibsen", "novel in progress", "Fremder Freund", Tödlicher Kinderwunsch" u.a.)

Off-Stimme für verschiedene Sender

Rundfunk: Tonproduktionen für verschiedene Rundfunkanstalten ( Kommentare, Voice-Over, Feature),Mitwirkung an verschiedenen Hörspiel- und Literatur-CDs, Synchron: Serienhauptrollen für div. Berliner Synchronfirmen

 

MANFRED EISNER 

Geb. 1951 in Berlin

Theaterengagements seit ca. 20 Jahren hauptsächlich in Berlin, Musicalengagement in Dortmund 1999

Film und Fernsehen: Mitwirkung in ca. 20 Filmen ("Helicops", "Praxis Bülowbogen", "Im Namen des Gesetzes", "Streit um 3" u. a.)

Mitwirkung an verschiedenen Hörspiel- und Literatur-CDs

CORINNA SIMON

Geboren 1960 in Berlin

Ausbildung als Jungstudentin am Stern’schen Konservatorium, Klavierstudium an der HdK Berlin bei Prof. Ingeborg Wunder, Klavierstudium an der Musikhochschule München bei Prof. Ludwig Hoffmann

Meisterkurse bei Gyorgy Sebok, Karlheinz Kämmerling, Mario Curcio, Halina Czerny-Stefánska

Auftritte: Berliner Philharmonie (großer Konzertsaal), Luzerner Festwochen, Zahlreiche Auftritte in Wien, Paris und anderen europäischen Städten, Auftritt im Duo mit dem Geiger Rainer Kimstedt "Simon & Kimstedt"



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