Anmerkungen zur Entstehung und Geschichte
der Fayence-Manufaktur in Wrisbergholzen ![]()

Inhalt: Vorgeschichte | Die
Fayence- Manufaktur | Die Produktion
| Übersichtsdaten
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Im Jahre 1735 ließ der Freiherr Rudolf Johann
von Wrisberg (Bild), der zu dieser Zeit als Oberappellations-Gerichtspräsident
in Celle tätig war, durch seinen Verwalter Rasch erste Nachforschungen
über die Möglichkeit zur Errichtung einer "Pfeifenfabrik"
anstellen. Während die Pfeifenproduktion wegen des Mangels des für
die Pfeifenherstellung wichtigen Kaolins nicht zustande kam, entdeckte
man jedoch bei dieser Gelegenheit Tonvorkommen, die sich nach Probebränden
durch Duinger Töpfer für die Herstellung von Fayencen als geeignet
erwiesen. Da in den gutseigenen umliegenden Wäldern ausreichend Brennholz
für das Betreiben eines Brennofens vorhanden war, entschloß
sich Rudolf Johann von Wrisberg zur Erichtung einer großen Manufakturanlage.
Die Gebäude der "Porcellaen-Fabrik" wurden im Jahre 1736 auf dem Küchengartengelände nordwestlich des Schlosses an der Unteren Dorfstraße errichtet. An den Vorüberlegungen zur Errichtung der Manufaktur war Ernst Julius Bütemeister beteiligt. Nach dessen plötzlichem Tod setzte Rudolf Johann von Wrisberg am 1. Januar 1736 dessen Bruder, den späteren herzoglich Lüneburgischen Landbaumeister Erich Joachim Bütemeister, ein, der die begonnenen Arbeiten fortführen und beenden sollte.
Wahrscheinlich gehörten bereits bei der Gründung folgende Räume zur Manufaktur, die 1811 in einem Gebäudeinventar genannt wurden :
Unten: 2 Stuben, 2 Kammern, 2 Küchen, 1 Warenpackerei,
1 leeres Haus mit leerem Ofen, auch noch eine Kammer, wo das Geschirr in
und aus dem Ofen getragen wurde.
Oben: 2 Warenzimmer, 1 Saal, 1 Maler- und 1 Dreherstube, 1 großer
Boden,
außerdem ein gedoppelter Keller
Weitere Gebäude, die heute nicht mehr existieren, befanden sich auf der Nordseite der Manufaktur; darunter ein großes freistehendes Gebäude auf quadratischem Grundriß, wahrscheinlich die notwendige Glasurmühle in Form eines Pferdegöpels. Im Gebäude wohnten der jeweilige "Fabriquer" (Verwalter) sowie der Glasurmeister.
Das Manufakturgebäude ist in seiner ursprünglichen Bausubstanz und Raumstruktur nahezu unverändert erhalten geblieben und dadurch von hohem Anschauungswert. Es ist das einzige erhaltene Beispiel eines als Fayence-Manufaktur errichteten Baus aus dem 18. Jahrhundert in Norddeutschland.
Von 1737 bis 1834 wurden Fayencen und Steingut von unterschiedlicher
Qualität produziert. Ein großer Teil war für den täglichen
Gebrauch bestimmt. Diese Produktion fand in der Umgebung und in größeren
Städten (Göttingen, Braunschweig, Hildesheim, Holzminden) ihren
Absatz. Die lange Aufrechterhaltung des Betriebes über fast 100 Jahre
ist ungewöhnlich und macht deutlich, daß die Produkte
der Manufaktur trotz der Konkurrenz insbesondere im südniedersächsischen
Raum (Hannoversch-Münden) offensichtlich beliebt und an die Kaufkraft
der Abnehmer angepaßt waren.
Die erhaltenen für den normalen Gebrauch bestimmten Fayencen wie Walzenkrüge, flache Teller, Blumentöpfe und Tintengefäße sind mit einfachen Mustern versehen und waren daher relativ preiswert. Daneben gab es für eine finanzkräftigere Käuferschicht eine Reihe von Produkten wie Balustervasen, die mit chinesischen Motiven verziert sind.
Die schwierige Produktion von großformatigen Wandfliesen
war mindestens 40 Jahre lang ein Produktionszweig, mit dem sich Wrisbergholzen
über die Leistung anderer deutscher Fayence-Manufakturen erhob. Besonders
hervorzuheben ist das Fliesenzimmer im
Schloß von Wrisbergholzen, dessen vollständig
mit Fliesen verkleidete Wände emblematische Motive zeigen. Hinzuweisen
ist auch auf die Fliesentableaus des zerstörten Schlosses Ruthe (heute
Dortmund, Museum), des ehemaligen Gartensaals des bischöflichen Palais
in Münster (heute im Diözesanmuseum, Münster) und eines
Baderaumes im königlichen Badehaus in Bad Rehburg.
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1736
erbaute Erich Joachim Bütemeister, der Baumeister des Schlosses und
der Gutsanlage in Wrisbergholzen, die Fayence-Manufaktur
1737 - 1834
Produktion von Fayencen, Fliesen und Steingut
seit 1834
diente das Gebäude zu Wohnzwecken für Bedienstete des Schlosses
wie Gartenmeister, Förster o.ä.
seit 1945
Unterbringung von bis zu 8 Flüchtlingsfamilien
seit 1964
mit Ausnahme einer Wohnung im Erdgeschoß ungenutzt, zunehmende Verschlechterung
des baulichen Zustandes
1984
Übernahme und folgend Instandsetzung durch den Verein zur Erhaltung
von Baudenkmalen in Wrisbergholzen e.V.
Was sind Fayencen ?
Fayencen aus Wrisbergholzen
Brennofen und Grabungsfunde in Wrisbergholzen
Abb.: Brennöfen des 16. und 18.
Jahrhunderts
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Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen
e.V.